• Thomas Damson

Vom Eigenleben der Litfaßsäulen

Als der Berliner Drucker Ernst Litfaß 1854 die erste Werbesäule aufstellte, begann ihr ununterbrochener Siegeszug in Deutschland und dem großen Rest der Welt. Das Prinzip war einfach: Teilflächen oder die ganze Säule wurden für Plakatwerbung- und Mitteilungen für einen begrenzten Zeitraum gemietet, also gebucht. Der Erfolg hielt lange an, so gab es in Deutschland im Jahr 2005 insgesamt etwas 51.000 Werbesäulen und mit den Säulen verdienten viele Menschen ihr Geld: Grafiker, Werbefirmen, Fotografen, Betreiber der Säulen bis hin zu den Angestellten, die sie in jeweiligen Zeitabständen neu beklebten und vorher säuberten. Ein mehr oder weniger einträgliches Geschäft - mal mehr, mal weniger beachtet.


Jedoch die wirtschaftliche Situation der Werbebranche erlitt mit Beginn der Corona Pandemie einen massiven Einbruch: Sie blieben mit den alten Plakaten beklebt und die einzige Änderung daran erfolgte durch den Zahn der Zeit. Also durch Wind und Wetter. Ich habe nebenher bei meinen fotografischen Streifzügen durch Bremerhaven, fasziniert durch den verwirrten Zustand der sonst recht geordneten Werbewelt ein kleines fotografisches Projekt für mich begonnen: Die surrealistisch verdrehte Bilderwelt der Werbesäulen. Die zerzauste Schönheit der Werbesäulen.


Anfangs der Coronaepedemie zerfledderte die Bremerhavener Litfaßszene spontan und rabiat, bis ab Ende 2020 dann zumindest die Beklebung mit weißem Papier begann - sicherlich auch mit dem Gedanken, das Image des alten Werbeträgers nicht unnötig zu ramponieren. Mittlerweile sind die meisten wieder in Betrieb, einige andere jedoch wurden still abgebaut, nachdem sich ihr angestammter Platz nicht mehr verkaufen lies.


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